Aktueller Stand in Tamale

 

Was wir uns während des ganzen Jahres erhofft haben, ist Wirklichkeit geworden! Das über drei Jahre gewachsene Sekundarschulhaus-Projekt konnte kurz vor unserer diesjährigen Ankunft in Tamale vollendet werden. Mit grosser Vorfreude teilten uns Mariama Abdulai (Bauherrin und Schulverantwortliche vor Ort) und Pippa Pepera (unsere langjährige Kontakt- und Vertrauensperson in Ghana) im Spätsommer mit, dass eine gebührende Einweihungsfeier auf Mitte Oktober geplant sei. Ebenso angetan über die Botschaft wie gespannt auf das, was uns erwarten würde, reisten wir folglich in den Norden Ghanas.

Obschon wir bereits im Vorfeld mittels Fotos über den laufenden Stand der Bauarbeiten informiert worden waren, übertraf der Anblick des neuen Schulhauses unsere Erwartungen bei Weitem. Das grosszügig-solide Gebäude besticht durch 18 geräumige, zweckdienliche Zimmer, eine farbenfrohe, dekorative Fassade und einladend gemusterte Korridore. Das Regenwasser wird in unterirdischen Auffangbehältern gesammelt und dient der Wasserversorgung des Schulkomplexes. Die auf zwei Seiten hin winddurchlässigen Fenster sorgen für lichtdurchflutete Räume und verhelfen zusammen mit den Deckenventilatoren zu einem angenehmen Lernklima.  Die überdachte Verbindung zum Hauptschulkomplex ermöglicht das Erreichen aller Einrichtungen trockenen Fusses. Dem Architekten und Planungsteam unter Führung von Mariama Abdulai ist ein Schulhausbau mit Vorzeigecharakter gelungen. Angesichts der  klimatischen Bedingungen und der anspruchsvollen wirtschaftlichen Lage im abgelegenen Norden Ghanas darf wohl von einer Meisterleistung gesprochen werden.

 

Dass an der DAMS (David Abdulai Memorial School) nun die Schulzeit vom Kindergarten bis zur Oberstufe besucht werden kann, ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Schulen, bei denen nach der Primarschulzeit ein Wechsel an eine andere, häufig weit entfernte Sekundarschule erfolgt. Zudem profitiert die DAMS aufgrund bemerkenswerter Schulleistungen und einer hervorragenden externen Beurteilung von einem ausgezeichneten Ruf. Namentlich die gezielte Unterstützung aller Schulkinder durch die gut ausgebildete, hochmotivierte Lehrerschaft mit geringer Fluktuation sowie eine engagierte, umsichtige Schulleitung führen erfreulicherweise zu einem jährlichen Zuwachs. Während Ende letzten Jahres rund 550 Schüler:innen die DAMS besuchten, waren es anfangs dieses Schuljahres bereits 680. Nach wie vor achten die Schulverantwortlichen auf eine ausgewogene Mischung der Geschlechter und Religionen

 

Der humanistischen Gesinnung Mariama Abdulais und ihres verstorbenen Ehemannes liegt auch der Gedanke des auf das Einkommen der Eltern abgestimmten Schulgeldes zugrunde. Dieses wird aufgrund des neuen Schulhauses folgerichtig angemessen erhöht, womit auch die Eltern ihren Anteil beitragen. Zudem werden an regelmässig stattfindenden Elternanlässen die Optimierung der Zusammenarbeit sowie Unterstützungsmöglichkeiten für die Schule verbindlich besprochen und vereinbart.

 

Zur afrikanischen Tradition gehören nach erfolgreich abgeschlossenen Grossprojekten gebührende Zeremonien und Festivitäten. Auch in unserem Fall wurde im Vorfeld eine Einweihungsfeier geplant. Dass sie gleich zwei Tage dauern würde, damit hatten wir allerdings nicht gerechnet. Mehrere hundert geladene Gäste – darunter hohe Würdenträger, Parlamentsabgeordnete, Medienschaffende, Eltern- und Schülerschaft sowie alle am Schulhausbau Beteiligten – fanden sich auf dem Schulareal ein, um der denkwürdigen Zeremonie beizuwohnen. Festreden, Gesänge, Tänze und Getrommel sowie musikalische Einlagen von lokaler Prominenz umrahmten den Grossanlass, der vom regionalen Fernsehen übertragen wurde.

Besonders eindrücklich und unvergesslich war für uns der einmalige Moment, in dem wir unter Applaus und Getrommel traditionell eingekleidet und zu «Chief and Queen of Friendship» geadelt wurden. Diese berührende Ehrung, dessen sind wir uns bewusst, wurde uns nur dank der langjährigen treuen Zuwendung all unserer Gönner:innen zuteil. Ihnen allen gebührt darum an dieser Stelle unsere grösste Wertschätzung und ein grosser Dank.

 

Die nächsten Bauschritte

 

Ungelöst ist das liegenbleibende Regenwasser auf dem Schulhausvor- und Pausenplatz. Ob sich eine Drainageeinrichtung oder eine oberirdische bauliche Massnahme besser eignet, die Wassermengen abzuführen, wird zurzeit geprüft und verursacht entsprechende Kosten.

Zudem fehlt der Sekundarschule im Physik- und Chemiezimmer die adäquate Einrichtung und in den noch nicht bezogenen Schulzimmern das Schulmobiliar und Wandtafeln.

Der Stromverbrauch einer Schulanlage wie der DAMS ist hoch und verursacht immense Kosten. Auch wird die Stromversorgung immer wieder durch Ausfälle unterbrochen, was den geordneten Schulbetrieb erschwert und zuweilen verunmöglicht. Sinnvoll Abhilfe könnte diesem Missstand namentlich mit einer Solaranlage geschaffen werden; eine Investition, die sich in einer Region mit vielen Sonnenstunden langfristig äusserst positiv auswirken würde.

 

Aussichten

 

Wie im letztjährigen Newsletter erwähnt, möchten wir – sofern es uns die Mittel erlauben – in Eswatini (ehemaliges Swaziland, im südlichen Afrika) eine Schule unterstützen, die gleiche Werte vermittelt und ähnliche Bedürfnisse aufweist wie die DAMS. Die begeisterten Schilderungen unserer langjährigen Bekannten und Vertrauensperson Pippa Pepera haben uns veranlasst, im kommenden Frühling der «JABEZ-School» in Eswatini einen Besuch abzustatten, um uns vor Ort ein Bild zu machen und die Schule wie unsere anderen Projekte vergangener Jahre in Kamerun, Togo, Sierra Leone und Ghana bei Bedarf zu unterstützen.

 

Anna-Regula Schwarz Durschei / Beda Durschei-Schwarz